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Am zweiten Abend unseres Sommerurlaubes in Kärnten
passierte das Unglück. DRACO, unser 4 Monate alter BEAUCERON-Welpe
wurde vor unseren Augen von einem Motorrad angefahren und getötet.
Während wir den Schmerz unserer kleinen Tochter Elena (3) mit der
Erklärung DRACO sei nun im Hundehimmel - wo die Englein genau so
lieb wie sie mit ihm spielen würden - noch lindern konnten, hatten
wir mit unserem Sohn Aris (9) ein echtes Problem. Um seine wirklich tiefe
und nicht endenwollende Trauer zu lindern, mussten wir so rasch wie möglich
wieder einen Hund finden. Und so begann es
Da wir weder in Österreich noch im benachbarten
Ausland einen BEAUCERON-Welpen (denn nur ein solcher durfte es sein) ausfindig
machen konnten, blieb nur der Weg nach Frankreich, dem Herkunftsland dieser
edlen Rasse. Dies war nicht ganz so einfach, da sich meine Kenntnisse
der französischen Sprache auf ein absolutes Minimum beschränken.
Nach tagelangen Recherchen per Internet und Telefon stieß ich dann
auf M. Bier, dem ich mich heute noch zu großen Dank verpflichtet
fühle. Als ich ihm mitteilte, wir suchten einen - auch für die
Zucht geeigneten - Rüden, empfahl er mir einen mit ihm seit vielen
Jahren befreundeten Züchter im Elsass. Auf Grund der bewegten Geschichte
dieser Region gab es dort auch keinerlei Sprachprobleme und wir hatten
Glück
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Die Walters hatten am 31.07.2002 einen Wurf von 3 Welpen, von denen
noch einer zu haben war. TYROS sollte er heißen, da in Frankreich
im Jahr 2002 gerade der Buchstabe T bei der Namensgebung
verwendet wurde. Was ich im Übrigen sehr praktisch finde, da
man daraus das Alter der Hunde leicht errechnen kann.
Am 02.10.2002 war es dann endlich soweit. Gemeinsam mit Boris
(mein älterer Sohn) und dessen Freundin flog ich nach Straßburg,
um von dort mittels Mietwagen zur Zuchtstätte ELEVAGE de LUSAN
zu gelangen. Die Auswahl des Welpen überließ ich Gérard
Walter, da ich keine Ahnung hatte, welcher der drei entzückenden
Gesellen am besten zu uns passt. Bis heute habe ich diesen Entschluss
nie bereut.
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Kaum zu Hause angekommen, erwies sich TYROS als äußerst
lebhafter Wicht. Sein scheinbar grenzenloses Bestreben alles nur
Mögliche sofort einer Zerreißprobe zu unterziehen, fanden
wir nur anfangs lustig.
Auch die Notwendigkeit, ihm so etwa alle 2 Stunden die Erleichterung
außerhalb unserer Wohnung (immerhin im 14. Stock) zu ermöglichen,
war etwas mühsam. Bis wir dann - in Anbetracht immer unwirtlich
werdender Wetterverhältnisse einstimmig beschlossen,
ihn auf den Balkon pinkeln zu lassen.
Weiters mussten wir uns erst daran gewöhnen, keinerlei Essbares
in seiner Reichweite unbeaufsichtigt zu lassen. Weder in Plastik
verschweißte "Käsegriller" noch tiefgefrorene
Broccoli waren vor ihm sicher. Zum Glück gibt es in unserer
Nähe eine Pizzeria, da uns der kleine Fresssack absolut nichts
übrigließ.
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Da wir bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Erfahrung
in Hundeerziehung vorweisen konnten, TYROS aber doch ein wohlerzogenes
Familienmitglied werden sollte, schleppten wir zunächst tonnenweise
Fachliteratur an, um uns schlau zu machen. Auch im Internet studierten
wir unzählige Beiträge, um zu guter Letzt die Erfahrung zu machen:
Alles graue Theorie, die sich teilweise sogar widersprach und keinesfalls
auf alle Hunde zutrifft! Also auf in die nächste Hundeschule, wo
erfahrene Trainer ihr umfangreiches Wissen an Unbedarfte wie uns schon
weitergeben würden. Dass es auch hier gewaltige Unterschiede gibt,
merkten wir schon nach einigen Schnupperstunden in den jeweiligen
Schulen. Schließlich besuchten wir mit TYROS den Junghundekurs bei
der Schutzhunde-Staffel Wien und waren dort sehr zufrieden.
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Trotz seines mitunter ungezügelten Temperamentes
und seiner beachtlichen Größe gab es mit TYROS nie ein
Problem im Umgang mit unseren Kindern. Während beim Spiel mit
ARIS gelegentlich doch ein leichtes Knurren hörbar ist, hat ELENA
bei ihm fast Narrenfreiheit. Von ihr lässt er sich sogar knuddeln,
was er sonst nicht so gerne mag. Den bei Hütehunden oft beschriebenen
fast zärtlichen Umgang mit Kindern kann ich nur bestätigen.
Auch fremden Kindern begegnet er immer nur freundlich. Mitunter vielleicht
etwas zu neugierig, wie man an den leicht panischen Reaktionen der
Kleinen (die ihm stehend direkt in die Augen sehen können) manchmal
merkt. |
Anderen Rüden zu begegnen ist zur Zeit ein Problem,
vor allen für meine Gattin. Während ich TYROS auf Grund meines
doch sehr ansehnlichen Körpergewichtes immer im Griff habe, hat XENIA
nur mit dem Halti eine Chance, ihn von unliebsamen Attacken
abzuhalten. Wobei er kleine Artgenossen in der Regel ignoriert, größere
jedoch immer eine Herausforderung darstellen, der er sich nur allzu gerne
stellt. Der Ordnung halber muss ich jedoch hinzufügen, dass er noch
nie einen anderen Hund gebissen oder sonst irgendwie verletzt hat.
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Am liebsten spielt TYROS mit Bällen jeder
Art. Trotz wirklich starker Bindung zu mir fürchte ich, er
würde mit jedem, der ihm einen Ball vor die Nase hält,
mitgehen.
Echt verblüfft hat er uns, als er mir beim
Schwimmen im Teich ohne zu zögern nachsprang. Er war zwar kurz
unter Wasser ver-schwunden, tauchte aber sofort wieder auf und schwamm
hinter mir her. Da von ihm nur mehr Augen und Nase sichtbar waren,
ähnelte er dabei eher einer Otter als einen Hund. Seither gehe
ich mit ihm regelmäßig schwimmen, da dies nicht nur seiner
Muskulatur zuträglich ist, sondern ihm auch offensichtlich
riesigen Spaß macht.
Ich bin mir vollkommen bewusst, dass jeder Hundehalter
seinen Hund für den schönsten, klügsten, besten,
usw. hält. Das soll auch so sein, aber TYROS ist einfach ein
Hund, mit dem wahrscheinlich jeder Freund großer Hunderassen
seine Freude hätte.
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Erst nach der Teilnahme an einigen Ausstellungen
wurde auch mir Laien allmählich bewusst, welch schöner
Kerl er eigentlich ist. Die hohe Wertschätzung, die TYROS bei
Ringrichtern, Züchtern und sonstigen Beauceron-Kennern genießt,
spiegelt sich auch deutlich in seinen Ausstellungserfolgen wider.
Allein 2003 konnte er als noch Halbwüchsiger nachstehende
Titel erringen:
Europajugendsieger
Österreichischer Jugendchampion
Österreichischer Club Sieger
Österreichischer Club Jugendsieger
Slowakischer Club Jugendsieger
Österreichischer Bundes Jugendsieger
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Besonders gefreut haben wir uns über den Titel
Österreichischer Club Sieger, da ihm dieser von Alain Thevenon (Präsident
des Club Les Amis du Beauceron) als Ringrichter verliehen
wurde. Und das bei einem Starterfeld von etwa 50 BEAUCERONS aus 6 Nationen,
darunter einige mehrfache Champions.
| Aber nicht nur sein Exterieur, sondern auch seine
rasche Auffassungsgabe und Freude an der Arbeit ist bemerkenswert.
Obwohl mir von vielen Seiten immer wieder versichert wurde, Beaucerons
seien Spätzünder und man bräuchte länger,
um mit ihnen die gewünschten Arbeitsziele zu erreichen, werden
wir nach Aussage unseres Trainers Kurt SCHAFAR noch in diesen Jahr
IPO1 schaffen. Sowohl im Trieb als auch in der Auffassungsgabe stünde
er bekannt lernfähigen Rassen wie dem Deutschen Schäferhund
oder dem Malinois in nichts nach. Allein die Tatsache,
wie schnell er beim Training begreift, was man von ihm erwartet, verblüfft
mich immer wieder aufs Neue. Nach etwa 4 5facher Wiederholung
einer Übung weiß er worum es geht. An der einigermaßen
perfekten Ausführung muss dann natürlich noch viel gearbeitet
werden, was wir jedoch beide gerne tun. |
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